Tief in der Pfalz


Amerika und Mittelalter nebeneinander (eine Collage)

 
Familiäre Verbindungen führen mich ab und an in die Pfalz. Rund um Ramstein Airbase leben viele Amerikaner (und andere NATO-Nationalitäten), während das traditionell Pfälzerische weiterlebt.
Aus mehreren Besuchen bastle ich eine Collage, um diesen Spannungsbogen ein wenig zu beleuchten.


 
Burg Nanstein, bei Landstuhl
Um 1160 wurde, auf der Anhöhe, diese Burg aus rotem Sandstein errichtet. Wir schleichen herum, treppauf, treppab, rundherum – eine schöne Burgruine, wie man sie sich vorstellt.
Auf einmal wird es laut, ein Rauschen und Dröhnen, immer lauter. Ein grauer, vierstrahliger Transporter der US-Air Force fliegt vorbei, fast auf gleicher Höhe, im Anflug auf die Airbase.
Ich schaue ihm nach. Sehe unten Ortsteile von Landstuhl, und weiter hinten, glitzernd im Dunst: die Landebahn von Ramstein.
 

 

 
Landstuhl
Unsere Verwandtschaft kauft gebrauchte Babyklamotten von privat. Verhandelt den Preis mit der Mutter (deutsch), während der Vater mit seinem Kind redet (amerik.-englisch).
Im Zentrum von Landstuhl sehe ich viel Fachwerk und Sandstein. Der Ort ist ein Hotspot für US-Personal. Nach Ramstein und vor Kaiserslautern lebt hier die zweitgrößte US-Community in Deutschland.
In der ital. Eisdiele (von Nicht-Italienern betrieben), nehmen wir Platz. Nebenan setzt sich eine Familie, die irgendein Englisch spricht, das nicht so amerikanisch klingt (für mich eher kanadisch oder gar britisch).

r.o.: Burg Nanstein, von Landstuhl aus gesehen

 

Kaiserslautern (oder: „K’town“)


1) Japanischer Garten
Großzügig und schön angelegter Park, im japanischen Stil, viele Bäume, großer Teich, viele Koi-Karpfen. Ein sehr schöner und erholsamer Ort.
Immer wieder wird es laut: die US-Transportflugzeuge fliegen im Landeanflug auf Ramstein tief über der Stadt.

 

2) Kaffee
Viele Amerikaner wohnen in Kaiserslautern. Im Stadtzentrum tummeln sich alle. Manche Lokale richten sich auf US-Publikum aus, wie etwa Chucks Diner, in dessen Hinterzimmer angeblich eine Tischtennisplatte steht, für Beer-Pong …
Wir gehen in eins der schönen, alten Cafés (schräg gegenüber, in der gleichen Straße). Vereinzelt nur höre ich englisch, die Zahl amerik. Gäste ist hier sehr überschaubar.

 

3) Einsiedlerhof / Abendessen
Kaiserslautern-Einsiedlerhof liegt außerhalb der Stadt. Die Ausfallstraße entlang reihen sich die Autohäuser, die gezielt US-Publikum anlocken.
Abendessen
Gekonnt abbiegen, zu den Restos. TexMex, Southern Fried Chicken, mexikanisch – alles ist da. Wait-to-be-seated. Manchmal gibt es richtige Wartebereiche, mit Sofas, Wasserspendern und Gratiszeitungen (den „Kaiserlauten American“) zur Lektüre. Nicht immer kann der Kellner fließend deutsch, mit englisch kommt man meist besser voran. Dafür gibt es z.B. mexikanische Gerichte, die unsere üblichen Mexikaner nicht haben – und „scharf“ ist hier auch scharf (nicht abgemildert).
 
Schleichwerbung: Chacarero Steakhouse
Sehr gutes und freundliches Restaurant. Argentinisches Rindfleisch in vielen Versionen. Alles lecker. Für die ganze Familie.
https://www.chacarero.eu/


Gegen 21:00 ändert sich was an den Flugbewegungen. Einer der Cargolifter landet nicht, scheint heute auch nicht nach Amerika zu starten, sein Kurs bringt ihn nach Osten. In einer Kurve zieht er hoch, über den Parkplatz – und das ist wesentlich lauter als ein Landeanflug …

Das Beste aus 3 Ausgaben des Kaisserlauten American:
- verkaufe: beautiful german shrank ...
- ASACS = Adolescent Substance Abuse Counseling Service, für 11-19jährige ID-Card Holder; ein Programm gegen Drogenmissbrauch, mit Möglichkeiten zur körperlichen und persönlichen Entwicklung, für privat sowie für militärische Zwecke
- 1.Mai + Freinacht auf den 1. Mai, in Deutschland: gemäß der Tradition kann es passieren, dass dein Blumentopf woanders steht, das Auto in Klopapier eingewickelt ist oder gar Gullydeckel in der Straße fehlen. Erhöhte Vorsicht ist angebracht. Sogar zur Herkunft erzählt der Bericht etwas: St. Walpurga war Missionarin aus Britannien, die nach Deutschland kam, dort auch Dämonen austrieb. In der nach ihr benannten Nacht möchte die Königin des Frühlings ins Land, während Hexen und Dämonen sie abhalten möchten. Menschen können helfen, mit Feuer und Krach, um die bösen Geister zu vertreiben.


Immer wieder entdecke ich gut recherchierte und fundierte Berichte, die viele deutsche Wörter einbauen. So weltfremd wie wir glauben, sind „die Amis“ also nicht (ob sie das alles lesen, ist eine andere Frage).

 

4) Heimfahrt (KL Hohenecken und Vogelweh)
Links der Straße sind die Siedlungen, rechts die Kasernen, oben drüber Fußgängerbrücken. Außer der B270 ist hier alles Gebiet der US-Forces. Wir fahren fast alleine auf der zweispurigen Straße. Nur ein Auto überholt uns langsam: ein weißer Buick der Military Police. Sie sehen zu, dass die GI’s etc. nicht über die Stränge schlagen. Für uns interessieren sie sich nicht.
Wir fahren den Pfälzer Wald hoch. Der Empfang von AFN wird zunehmend schlechter, reißt irgendwann ab.

rechts: Siedlung, links: Kaserne. Darüber: Fußgängerbrücke

 

Radio AFN The Eagle
103,0 oder 105,1
US-Sender aus Ramstein, kleines Sendegebiet.
Hier 2 Schmankerl:
- Wenn du eine Schusswaffe besitzt, bist du jederzeit für deren Registrierung verantwortlich. Melde dich noch heute auf www.eur.army.mil (Link nicht von mir geprüft) und vergewissere dich, dass alle Daten aktuell sind
- Die Marines suchen noch Leute, in ganz Europa!


Anmerkung: die Marines haben den Ruf von Kanonenfutter. Aber es wäre evtl. ein Türöffner zur Staatsbürgerschaft.
Nein: so etwas wie die franz. Fremdenlegion wäre in den USA illegal – Leute auszunutzen. Aber sie zu engagieren und ihr Bestes zu nehmen – ihre Steuergelder, das ist schon i.O.
 
Ach ja: Kaiserslautern spricht sich in etwa: Kaiser’slaughter’n
 
Französische Sender: sind leider sehr schwach
 

 

Waldfischbach-Burgalben
Wo Reh und Hase sich Guten Morgen sagen


Im Frühnebel sehe ich einen Hasen über die Straße hoppeln, und ein Reh am Waldrand stehen.
Von Frachtflugzeugen und AFN ist hier nichts zu hören.
        Der Ort bietet Hotels/Pensionen, Gastronomie, Tankstelle und Einkaufsmöglichkeiten, eignet sich ganz gut als Start für Erkundungen.
 

 

Im Pfälzer Wald
Alte Orte, enge und zum parken genutzte Durchgangsstraßen, Sandsteinhäuser, Gaststätten mit Butzenscheiben und schmiedeeisernen Haltern für Schilder davor, Häuser in braunen Erdtönen und Häuser mit Fliesenverkleidung. Höhenstraßen, kurvige Straßen durch Wald, Bäche, Wiesen, alte Mühlen, spektakuläre Sandsteinformationen, viele Burgruinen, … Zu sehen gibt es mehr als genug.
 
Hier nur eine kleine Auswahl

 

Steinalben
Abends beim lüften schraubt etwas durch die Luft. Gegen 21:00 fliegen 2 Propellerflugzeuge (C-130 Hercules?) im „Konvoi“ über den Ort, tiefbrummend, ostgehend, im Sinkflug. „Ach, die Amis“, höre ich. Kurs und Entfernung passen: ausholen, Linkskurve fliegen und auf westgehend drehen, weiter sinken, Anflug auf Ramstein.

Ramstein Airbase, vom Wildpark Potzberg aus gesehen

 

Ramstein Airbase
(rein ins Epizentrum)


Zutritt nur für NATO-Forces und deren Angehörige. Parken, zur Anmeldung, Ausweis zeigen, Foto machen lassen, unterschreiben, wieder ins Auto.
Ein junger Soldat, mit MPi um den Hals, will Zettel und Ausweise sehen, wärmt dann wieder seine Hände an Gasflamme/Gartenheizung. Wir sind drin.
Leider darf ich keine Fotos machen. Ich halte mich dran.
 
„Die Base“ ist eine ganze Kleinstadt, mit Wohngebäuden, Straßen die nach US-Bundesstaaten benannt sind, Mall, Restaurants, Supermarkt. Wer hier lebt, muss nicht raus.
Verkehrsschilder sind deutsch, Einbahnstraße heißt „Einbahnstraße“; die Nummernschilder der Autos sind deutsche, aber die „Amis“ sind an fast quadratischen zu erkennen.
Sprache ist englisch, Währung US-$. Polizeiautos sind blaue Ford-Jeeps und heißen „Police“ – eine eigene Military Police für dieses Gelände.
Braune Gebäude mit Blechdach – ist das Armee-Style? Für mich sieht es aus wie in Amerika.
 
- Flughafen
Ein neues und modernes Gebäude dient Wartenden und Ankömmlingen. US-Forces können freie Plätze in Frachtmaschinen nutzen, z.B. für Heimaturlaub.
Von hier geht’s auch weiter zu anderen US-Airforce-Stützpunkten, in Spanien, Italien, UK, Türkei, Kuwait, etc.
Die USO betreut den Bereich, Freiwillige engagieren sich. Wir bekommen Kaffee und Kuchen (gratis), es gibt Rechner mit freiem Internet, Infobroschüren, kleine Tuben Shampoo etc. – alles was Soldaten hilft, die manchmal mehrere Tage unterwegs sind.
Übrigens sind die Freiwilligen auch im US-Hospital in Landstuhl aktiv. Meist sind es Angehörige von Leuten, die hier zusammengeflickt wurden. Oder junge Soldaten, die alleine sind und unter Menschen sein wollen …
 
In der Halle hängen 2 riesige Fahnen: USA und Deutschland. Zum ersten Mal sehe ich eine deutsche Fahne in einem Flughafen. Draußen stehen Busse (wie US-Schulbusse, nur andersfarbig); 7 dunkelgraue Frachtflugzeuge, dahinter die alten „Garagen“ (bombensichere Bunker) der (abgezogenen) Düsenjäger.
Auf dem Rollfeld: 1 Galaxy (Lockheed C-5), 1 KC-10 (McDonnell-Douglas), 5 Globemaster (Boeing C-17). UND der Wahlspruch des Teams: „Team Ramstein Airpower!“
 
- Wir gehen in die Mall
Vorbei am Food-Court. Die Mitte ist voller Tische und Stühle, außen herum die Verkaufstresen der Fast-Food-Läden (ca. 10).
Die Leute sehen anders aus: andere Klamotten, andere Haarschnitte. Es sieht wirklich aus wie in Amerika, alle Läden, alle Leute, Sprache, Währung sind entsprechend – wir sind wirklich woanders.
Im Laden gibt es alles, was Amerikaner aus der Heimat kennen oder vermissen. Viel Parfüm, viele Klamotten, Möbel, Spielzeug, Zeitschriften, Kaffee, Bier, Wein, Schnaps, …


NEUHEIT: die Gas Monkeys (aus dem TV bekannte Autoschrauber) bringen einen Energydrink raus (den es in 2 Jahren bei uns gibt?).
 


Mein Liebling: die Waschmaschinen; mit US-Stecker und 120V-Auslegung – ohne Spannungswandler nicht so langlebig ...
 
- Im Mexik. Restaurant (Chillies):
Tische, Stühle, Lampen, die Kellnerin stellt sich namentlich vor und fragt alle naselang ob alles passt (nur englisch), die Karte ist rein englisch, alle Preise rein in US-$.
 
- Im Supermarkt
Großer Laden. Olivenöl kommt aus Italien, die Milch aus Dänemark. Das meiste andere ist original US-Ware. Steuern auf diesen Einkauf: weder deutsche, noch US-Steuern. Nur eine standortinterne Abgabe.  
 
Es gibt noch einen Bereich der Base, den ich nicht betreten darf. Was dort vor sich geht, wissen diverse Verschwörungstheorien …
Wir verlassen die Base, ohne Kontrolle und ohne Komplikationen.
 
Kurz darauf kommt ein Hotel-Restaurant-Gebäude namens „Off Base“.
In Ramstein steht eine große Tankstelle, daneben ein McD. Nochmals bunte, helle Lichter, dann kommt der Wald.  
Die „Außenwelt“ mit „Airbase-Augen“ betrachtet: alte Hauser in dunklen Orten, kleine Läden und Gaststätten für Einheimische. Außen herum Wald.
 
 

Altschlossfelsen
Bei Eppenbrunn


Ab Hinterweidenthal, spätestens Salzwoog, wird die Straße immer enger und älter, der Mittelstreifen fehlt. Streckenweise geht es mitten durch den Wald, ohne Schneise bzw. Sicherheitsabstand – die Straße ist einfach durch den Wald gezogen.
Kurz vor Eppenbrunn geht es auf einen Parkplatz (Beim Grenzlosen Bach). 20 Min. wandern. Das letzte Stück auf Pfaden steil aufwärts, dann sind wir da. Frankreich ist nur einen Steinwurf entfernt.

Der Altschlossfelsen, bei Eppenbrunn, ist die größte Sandsteinformation der Pfalz.
Die einzige Stunde Sonnenschein des Tages ist mit uns.
Lang zieht sich eine Reihe Sandsteinfels auf dem Kamm, geschliffen und zerfurcht, schön schimmernd in der Vormittagssonne. Cool wie ein Canyon oder Felsnadeln im Monument Valley, schön wie der Pfälzer Wald.
 
Und, ach ja: der Fußweg führt noch ein wenig weiter, nach Frankreich.