Watzmann, Königssee
Im Bann des Watzmann

Mai 2016

Schon die Anreise ist ein Highlight. Berge, teils mit Schnee bedeckt, Wiesen, Kühe, Wälder neben der Autobahn, die weitläufige Wasserfläche des Chiemsees. Wir sind dem Stau davongefahren und haben den Zauberwald am Hintersee fast für uns allein.

Zauberwald
(am Hintersee, bei Ramsau)
Vor etwa 4.000 Jahren ist der Berg abgerutscht, die Brocken liegen bis heute herum und Wald ist darüber gewachsen. Dadurch wird der Hintersee aufgestaut und fließt über die Ramsauer Ache durch den Zauberwald ab. Ein Weg führt am Bach entlang und zurück zum See.
Glitzernd läuft das klare Wasser über Steine, knorrige Bäume mit vermoosten Stämmen und Ästen säumen ihn. Salamander bewegen sich langsam, mit 8°C ist es noch nicht warm.
Der Weg biegt ab, es geht nach oben, Richtung See. Ein Rinnsal läuft über Grasboden. Spätestens jetzt wird klar, warum es „Zauberwald“ heißt.

Hintersee
Schilf in klarem Wasser, Wald und eine atemberaubende Bergkulisse. Sich ändernde, schöne Ausblicke von überall. Blesshühner, Enten und Tretboote paddeln herum. Das Motiv lockte im 19. Jh. immer wieder Maler an den See, unter ihnen Wilhelm Busch und Hofmaler für bayerische Könige und österreichische Kaiser.

Ramsau
Kleiner Ort, auf Touristen eingestellt. Die Häuser sind überwiegend mit Metallplatten gedeckt. Wir machen es uns im Bergsteigercafé gemütlich und probieren hausgemachten Kuchen (sehr lecker). Die Bedienung ist freundlich, entspannt und zum scherzen aufgelegt. Im Biergarten nebenan spielt eine Blaskapelle.

Wir beziehen unsere Bleibe (Haus Wiesenlehen http://www.wiesenlehen.de/ ), mit Blick auf den Watzmann. Deutschlands zweithöchster Berg ragt schneebedeckt in die Höhe und zieht uns in seinen Bann.


Rossfeld-Panoramastraße
8,- EUR Maut, nördlich von Berchtesgaden
In Serpentinen schraubt sich die Straße bergauf, bietet immer wieder Parkplätze und Panorama. Ein Stück von ihr liegt auf österreichischem Gebiet (ohne Grenze, da man den Weg nicht verlassen kann).
Ab 1500 Höhenmeter liegt noch Schnee herum. Zwar ist es warm, die Wärme des ganzen Tages hält den Nachmittag warm, doch sobald die Sonne weg ist, wird es kühl. Die Spätnachmittagssonne taucht die Bergwelt in schönes Licht, immer wieder halten wir an und genießen den Ausblick. Man sieht: den Watzmann, das Dachsteinmassiv (mit Gletscher), den Untersberg (in dem der Sage nach Kaiser Barbarossa schläft), die Landebahn des Salzburger Flughafens.


Auf unserem Balkon klingt der Tag aus. Bald schon gehen wir rein. Wie gesagt: sobald die Sonne weg ist, wird es kühl. Schatten ziehen ins Tal (ab 17:30 Uhr), die Tagestouristen fahren heim. Es wird ruhig, es ist fast schon ein anderes Land geworden, ohne das Lärmen des Tourismus. Der Watzmann leuchtet, fängt die letzten Sonnenstrahlen ein.
Ich bin schon tiefenentspannt, genieße die Ruhe. Langsam wird es dunkel und kühl. Es ist 20:30 Uhr, der Gipfel des Watzmann leuchtet noch immer in der Sonne.

Um 6:00 Früh stehen wir auf. Erste Sonnenstrahlen tasten sich ins Tal vor, die zotteligen Hochlandrinder des Nachbarn grasen, bevorzugen die sonnigen Flecken auf ihrer Wiese. Der Watzmann leuchtet schon.

Königssee
Nebel liegt auf dem See, immer wieder kommen Ausläufer der Schwaden an Land. Es ist schattig im Tal, kühl, alle Läden haben noch geschlossen. Erst ab 8 Uhr öffnen sich die ersten Türen. Eine „Nebelwolke“ hängt zwischen den Bergen fest, „rutscht“ nach unten, auf den See. Mit dem ersten Boot starten wir.
Die Crew hält uns mit Anekdoten bei Laune. Der See hat Trinkwasserqualität, Forellen, Renken und Saiblinge werden nachhaltig gefischt. Am „Echopunkt“ hält das Boot, der Begleiter spielt lustige Weisen auf der Trompete, mit langen Pausen, damit wir das Echo hören. Es ist ganz klar, kaum zu unterscheiden von seinem Spiel. Der Nebel verleiht dem See eine eigene Note.
St. Bartholomä: Basilika und Jagdschloss stehen noch im Schatten der Berge, nur noch vereinzelte Schwaden kräuseln sich herum, um sich langsam aufzulösen. Der Räucherofen ist schon in Betrieb, in zwei Stunden gibt es den ersten Fisch.


Wir starten zur Eiskapelle, dem tiefstgelegenen Schneefeld der Alpen, am Fuße der Watzmann-Ostwand. Der Wanderweg führt durch Wald bergauf. Wir hören es trampeln, bleiben stehen und schauen: ein Reh baut Abstand zu uns auf, beobachtet uns neugierig.
Ein paar Meter weiter hat sich oben etwas bewegt: zwei Gemsen grasen, ziehen weiter, interessieren sich nicht für uns.
Immer wieder hören wir das Donnern von Lawinen. Wo gehen wir da hin? Die letzten Meter geht es durch Bachbett und über Geröll. Die Mittagssonne brennt rein. Viele Wanderer überholen uns. Bei unserer Kondition kein Wunder. Wir halten oft, um die Schönheit der Natur auf uns wirken zu lassen (und schöne Fotos zu machen).
    Bei einer Brotzeit wird klar, woher das ständige Donnern der Lawinen kommt. Die Schneefelder auf dem Bergmassiv schmelzen ab, laufen als Sturzbäche nach unten. Immer wieder lösen sich Schneemassen, die mit ihnen nach unten rutschen. Dort schlagen sie auf und krachen. Die Bergwände werfen das Echo zurück, verstärken somit das Grollen.
Das Wasser im Bach ist kristallklar, kommt direkt von den Schneefeldern. Ich trinke einen Becher voll und staune, wie rein Wasser sein kann.
Es ist warm und voll geworden am Schneefeld, mit richtigem Trubel. Das schöne am Abstieg ist, dass man aufsteigende Wanderer grüßen kann. Diese müssen dann zurückgrüßen, wie in den Bergen üblich – auch wenn sie außer Atem sind, hehe.


Im Fischrestaurant in St Bartholomä wird der Nachschub aus dem Räucherofen auf Stangen zum Tresen gebracht. Saibling oder Forelle auf Holzplatte, optional mit Breze und Bier. Viele Koreaner sind hier, alle sind sie scharf auf Fisch.
    Wir sitzen im Biergarten, im Schatten alter Kastanien mit vermoosten Stämmen, beim Germknödel.
    Mit dem Boot geht‘s weiter nach Salet, ganz hinten, und zu Fuß zum Obersee (10 Min.). Ganz hinten sieht man einen der größten Wasserfälle (mit 80m Fallhöhe), 2 Bergspitzen wie Kuhhörner; oben auf dem Bergkamm verläuft die Landesgrenze. Es ist ganz schöner Trubel, jeder will einen ruhigen Platz am See. Auf der Rückfahrt (ca. 1h) dösen viele.
    In den Gassen von Schönau, Hauptort und Drehscheibe am Königssee, herrscht dichtes Gedränge. Wir bevorzugen die Ruhe auf unserem Balkon, mit unserem Räuchersaibling. Von Stunde zu Stunde wird es ruhiger, schattiger, dämmriger. Nur der Gipfel des Watzmann leuchtet noch.

Almbachklamm
südlich von Marktschellenberg, 3,- EUR p.P.
Früh sind wir da. Durch Schluchten geht es auf schmalen Pfaden und vielen Stufen durch die Felsen. Laut rauscht Wasser durch die schattige Enge, glitzert schön, wenn die Sonne nach unten dringt. Unten flattern Wasseramseln emsig umher. Oben wärmen sich Schmetterlinge in der Sonne, sind noch zu kalt zum flüchten. Allmählich erst wird es heller, wärmer und auch voller.
Der Almbach wurde zum Transport geschlagener Baumstämme genutzt. Immer wieder verkanteten sie sich an den Engstellen. Der Weg wurde also angelegt, um das Holz befreien zu können.


Die Kugelmühle
Beim Gasthof „Zur Kugelmühle“, südlich von Marktschellenberg (kein Eintritt)
Seit 1683 wird hier Untersberger Marmor, allein durch Wasserkraft, zu Kugeln geschliffen. Die Murmeln waren früher bei Kindern beliebt und ein Exportschlager. Bis 1921 wurden sie bis nach London verkauft, und von dort bis nach Indien exportiert.
    Zu kaufen gibt es die Kugeln am Souvenirstand des Gasthauses.


Watz up?
Abends wird es dunkel. Zur Abwechslung leuchtet der Watzmann nicht. Dunkle Wolken hüllen ihn ein, es donnert und regnet. Kurz darauf ist der Spuk vorbei – nur die Wolken bleiben. So schnell kann also ein Wettersturz in den Bergen kommen.

 

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Klangkiste

Claudia Koreck "Fliang" live ("fliegen")

https://www.youtube.com/watch?v=XDDAcAeFxZg

 

(sie kommt aus Traunstein, das ist in der Region)