Zugspitze
Tief in Bayern - „Top of Germany“

August 2016

Zur Sommerfrische nach Garmisch, um dem heißen Sommer zu entkommen und in den Bergen abzukühlen – das war der Plan.
Kurz vor Garmisch-Partenkirchen stehen wir im Stau. Die zweispurige Autobahn (A95) verengt sich auf eine Spur, um den Verkehr im Talkessel durch den Ort zu schieben. Die Folge: 1h im Stau.

Eibsee
Gilt zurecht als einer der schönsten Seen Bayerns. Wir finden einen Platz auf dem Naturparkplatz (3,50 EUR/Tag). Biergarten und Souvenirladen (der nach den 1980ern aussieht) lassen wir aus, der Rummel ist uns zu arg; wir wandern ein kleines Stück zur Eibsee-Alm.
Der Rundweg führt durch Wald, mit herrlichen Blicken auf den See, die Zugspitze und das Zugspitzmassiv. Immer wieder laden Steine und Bänke zum verweilen. Nebenseen und Priele mit grünem Wasser, aus denen versunkene Baumstämme ragen, wirken verwunschen. Und schon kommt ein Trupp junger Leute auf Schnitzeljagd, sucht und findet eine Tupperdose (die Niete in ihrem Spiel). Wir brauchen 3-4 h für unsere Umrundung.


Hier ist unser Höhenprofil:

l.o.: Zugspitze + Zugspitzmassiv vom Eibsee aus gesehen

r.u.: ein Priel neben dem Eibsee (vom Rundweg aus gesehen)

 

In Ehrwald (Tirol) übernachten wir. Es ist ein netter, kleiner Ort mit vielen Übernachtungsmöglichkeiten, Cafés und Gaststätten. Hier gibt es keinen Stau.
Im Liegestuhl auf unserem Balkon schauen wir auf die Sonnenspitze, während es überall ruhiger wird.

unten: die Sonnenspitze.

Alle Fotos: vom Balkon, Hotel Tannenhof.


Zugspitze
Mit der Eibsee-Seilbahn (55,- EUR p.P.) starten wir von der deutschen Seite. Seilbahn und Halle sind von 1963, man kann hier nur Tickets kaufen und einsteigen (wie früher). Wer Brötchen und Souvenirs kaufen will: muss auf den Berg fahren - oder auf den Neubau der Seilbahn warten (2018).
In 10-15 Minuten fährt die Gondel hoch, überwindet 1500 Höhenmeter, das letzte Stück steil an der Bergwand hoch. Ich ziehe meinen Hut vor der damaligen Ingenieurskunst. Zu Fuß (statt mit dem Lift) gehen wir 2 Stockwerke hoch, ich bin aus der Puste. Wir sind auf 2900 m, der Sauerstoffgehalt liegt bei 70% zum Tal. Es ist windig und frisch, bei etwa +10°C. Weit geht der Blick über die Bergkämme der Alpen; auf der Nordseite zum Eibsee und nach Garmisch-Partenkirchen, kurz dahinter ist schon das Flachland. Wir sind noch gar nicht tief in den Bergen ...
Eine Gruppe Japaner kommt auf die Plattform, die Ladies teils in Röcken und hochhackigen Schuhen. Sie bitten uns um Fotos. Das Handy mit dem ich sie knipse ist in einer Schale mit Ohren dran, also einer Comicfigur. Natürlich sind sie mit den Fotos zufrieden (alles andere wäre unhöflich). Sie sind aus Tokio, ein paar Tage für „Business“ in Deutschland, und fliegen morgen wieder heim.
Der Kiosk beschallt die halbe Plattform – mit Musik aus den 80ern.

l.u.: das Skigebiet. Die grauen Flecken sind Gletschereis

r.u.: der Eibsee von oben


Die Gletscherbahn (Seilbahn) bringt uns zum Schneefeld. Auf kleinen Bobs kann man herumrutschen (gratis).
Vom Gletscher selbst ist nicht mehr viel da. 3 Reste des Schneeferner werden abgedeckt, um ihr Abschmelzen zu verlangsamen.
Früher war der Gletscher 1,5 km dick, reichte hoch bis zur Wetterstation Schneefernerhaus (z. Vgl.: ein zugefrorener See zum Schlittschuhfahren hat ca. 0,5m Eisdicke). Über das Reintal fließt das Schmelzwasser bis heute in die Loisach, Isar, Donau und ins Schwarze Meer. Gletschereis sind übrigens nur die grauen Felder in den Fotos, der Rest ist Schneefeld.
Im Gletschergarten ist reger Betrieb. Ein Autohersteller hat ein Gefährt am Maibaum aufgestellt, um den Allradantrieb zu bewerben. Angesichts der traurigen und schmelzenden Gletscherreste bleibt mir da ein fahler Nachgeschmack ...

r.o.: Schnee in seiner natürlichen Umgebung

l.u.: Gletscherschmelze

r.u.: Reste des Schneeferner-Gletschers


Zwei einheimische Jungs laufen in abgewetzter Lederhose herum, Kapuzenpulli, Iro, Tätowierungen. Das nenne ich Heimatverbundenheit ohne aufgesetzten Bajuwarismus.
    2 Münchner Schickies drängen sich vor. Die Mischung aus Bajuwarismus, eigenwilligem Chic und Arroganz bleibt fragwürdig.

Die Zahnradbahn ist eine Alternative, mit ihr fahren wir hinab. 20 Minuten lang geht es einen schrägen Tunnel runter. Alte Schilder sagen z.B.: 2100m über Bremen, 2xxx m über Görlitz. Der Zug rumpelt ganz schön – riesige Kräfte wirken auf Räder und Zahnschiene. Ich staune über die damalige Ingenieurskunst und den Einsatz der Bauarbeiter.

Ein Schild in Grainau wirbt: Durstig, hungrig, unterhopft? Wir können helfen!

In Garmisch-Partenkirchen sehen wir ein lustiges Völkergemisch. Schwarze Mütter laufen mit ruhigen und gutgelaunten Kindern durch die Straßen (die US-Army hat hier einen Standort). Arabische Familien, Frauen mit Kopftuch und Schleier, begleiten z.B. Angehörige für eine Operation nach Deutschland, verbringen hier die Erholungszeit, bevor es zu Shopping und Heimflug nach München geht. In der Dönerbude ist man bestens auf sie eingerichtet. Viele andere Schilder heißen sie in arab. Schriftzeichen willkommen.
Immer wieder laufen uns Italiener über den Weg, und viele Rentner sind zur Altersruhe hierher gezogen (weisen Rowdies zurecht, die zu schnell Fahrradfahren etc.).
    Cafè Krönner: seit 1934, Gebäude aus den 50ern, Konditorei-Laden. Schöne Sachen in nostalgisch-modernem Ambiente. Im Laden preisgekrönte Souvenirs, im Café normale Preise.
Rechtzeitig vor dem Stau (!) fahren wir zurück nach Ehrwald, sind froh über die Ruhe dort.

Ehrwald-Almbahn (16 EUR p.P. Berg -und Talfahrt): in Skigondeln fährt uns die Seilbahn hoch. Schottische Hochlandrinder liegen faul unterm Baum, Tiroler Grauvieh-Kühe fressen und bummeln eifrig. Wir spazieren zum (künstlichen) Almsee, schauen ins Tal und auf die heraufziehenden schwarzen Wolken, aus denen immer wieder Blitze zucken.

unser Höhenprofil

l.u.: die Sonnenspitze

 

Mit einem Kaffee im Tal, in einem schicken Holzhaus mit modernem Chic, lauter Musik und vielen Barplätzen (= typische Tiroler Apres-Ski-Hütte) endet der entspannte Ausflug, während draußen der Platzregen runtergeht. Wir wollen vor 12 Uhr durch Garmisch-P., um dem Stau zu entgehen.
Noch vor Grainau wird klar: Stau-in-Grainau, Stau bis Garmisch, wir verlieren 1h.
Radio Oberland schickt uns ein Update des Bayern-Mundart-Pop ins Auto. Beides dämpft unsere Erholung nicht. 1h später sind wir bereits daheim. Mit an Bord: ein Tourismus-Prospekt aus Tirol, für neue Ausflüge ... Denn die Tiroler lassen nichts aus – was Touristen begehren, wird ihnen geboten (Ufo-Schwimmbad, Dampfgrotte, Bierbadewanne, uvm.).

Für Selbermacher: ein SUV ist hier (wie überall) fehl am Platz. Straßen und Parkplätze sind oft eng, kurvig, schmal. Ein normaler PKW reicht völlig aus. Die Straßen führen ja durch die Täler.
Und das mit dem Allradantrieb-auf-die-Zugspitze-hoch?
Das ist nur Marketing.