Ostfriesland 
September 2013

 

Verwandtschaftsbesuch in Hamburg brachte uns in den Norden. Danach sind wir rüber, nach Ostfriesland.



Hagenbecks Tierpark in Hamburg ist schön gemacht. Freundliche Türsteher, mit Strohhut und Sakko, begrüßen uns.
Man kann Futter kaufen (Gemüse), und es z.B. den Elefanten reichen. Gibt man ihnen Geld, geben sie es brav beim Pfleger ab, der dahinter steht.
Bei den Pinguinen wird es kalt. Die Halle ist für sie temperiert - man ist ja auch zu Besuch in ihrer Welt. (Im Tropenhaus ist es dafür entsprechend warm).
Highlight sind die Walrosse. Genüsslich schwimmen sie in ihrem Becken herum. Ein Gang führt um dieses herum und etwas tiefer, so dass man von hinten ins Wasser schauen kann. Regelmäßig kommen sie vorbeigetaucht, und bleiben immer wieder am Fenster hängen. „Wer schaut hier wen an?“, ist die berechtigte Frage.
Die Besucher sind ganz aufgeregt, weil eines der Tiere etwa 1-2 Minuten am Fenster hängt und rausschaut. Doch welche Sicht ist hier interessanter?


Bremen
ist ebenfalls eine alte Hafen-, Handels- und Hanse-Stadt. Am Stadtrand stehen alte Villen, man steigt in Reithose in den Rover. Die City ist schick und modern. Die Stadtmusikanten in der Altstadt übersieht man fast ...
In den Gewerbegebieten stehen die „Fabriken“ für Kaffee, Cornflakes und Pilsener-Bier.

 

Ostfriesland - im Land der Windmühlen
Das Land ist flach und grün, von Kanälen durchzogen, vom Wind zersaust, und Heimat schiefer Türme und schräger Gebäude. Dazu später mehr.
Neben alten Mühlen stehen jede Menge Windräder herum.

Norden-Norddeich
besteht zur Hälfte aus Ferienwohnungen und Fisch-Restaurants, die Nordsee ist gleich hinterm Deich. Hier geht‘s ins Watt, wenn es denn da ist, und man sieht rüber nach Norderney, mit großen Hotel-Komplexen. Hier bleiben wir 4 Nächte (und senken den Altersdurchschnitt).

Blick vom Deich. Im Hintergrund sind die Hotels von Norderney zu erkennen


In der Seehundstation kann man ehemalige „Heuler“ besuchen. Verwaiste Robbenbabies werden gepäppelt, aufgezogen, und nach Möglichkeit später freigelassen. Im großen Becken tauchen sie vorbei und scheinen gut drauf zu sein. Wiederum stellt sich die Frage: Wer schaut hier wen an?

Norderney
Die Fähre fährt von Norddeich knapp 1h, mehrmals täglich. Eine Fahrrinne führt durchgehend Wasser, so dass auch Ebbe nichts ausmacht.
Auf der Hinfahrt „fehlt was“. Wir fahren in der Rinne, ansonsten ist das Meer weg. Einzelne Wattläufer wandern herum. Doch auch vom Watt sieht man nicht viel - Nebel hüllt Land und Wattenmeer ein.
Auf backbord sehen wir Robben, die sich auf einer Sandbank ausruhen.

Norderney ist eine richtige Kleinstadt, mit großen Hotels, gepflasterter Fußgängerzone, vielen Souvenirläden, Cafés und Restaurants, und vielen Gebäuden aus der Kaiserzeit. Eine Gedenktafel erinnert an den Anschluss ans Telefonnetz in den 1890ern.
Nach einem Ostfriesentee spazieren wir am Strand, sehen zu, wie die See langsam, Stück für Stück, wieder näher kommt - jede Welle reicht ein kleines Stück weiter ...

 

Greetsiel
ist der Bilderbuchort in Ostfriesland.  Alte Häuser, enge Gassen, Cafétische am Kanal, Windmühlen, eine alte Kirche mit massivem Turm, einfach perfekt!
Der Haken an der Sache? Jeder will den Ort sehen, entsprechend geht es zu ...

 

Türme, und andere schräge Sachen
Beim Fahren fallen uns kuriose Sachen auf, die wir genauer anschauen.

Suurhusen
der kleine Ort hat den schiefsten Turm den es gibt. Mit 5,19° ist er schiefer noch als Pisa (mit 5,08°). Das Guinness-Buch bezeugt dies mit einer Metalltafel vor der Kirche. Der Turm ist relativ kurz und dick - und verleiht der Schieflage dadurch eine ganz andere Dramatik. Es wirkt, als sacke er ab ...

 

Engerhafe
ein Kirchenschiff steht auf „der Wiese“, überragt die umliegenden Häuser um Längen. Und so ganz gerade steht das auch nicht mehr! Wind, Alter und feuchter Boden zehren am Gebäude. Doch drinnen sieht es gemütlich aus, mit Teppich und Holzverkleidungen ...
Ich laufe draußen über den Friedhof, der das Gebäude umgibt. Stützmauern halten das Schiff, aber gerade, nein, gerade ist das nicht mehr ...
Der Glockenturm ist etwa 20m n-e-b-e-n der Kirche, ein massiver Ziegelbau, ca. 5m hoch - und auch er sackt schon ab.

 

Marienhafe
Runter von der B72n, immer auf den Turm zuhalten. Der übermächtige „Störtebeker-Turm“ von St. Marien überragt alles. Die Kirche ist offen, und wiederum spartanisch, aber gemütlich ausgestattet. Die Infotafel davor erklärt, dass die Kirche mal länger und der Turm höher war.
Der Turm war 70m hoch, die Kirche 70m lang, und hatte ein Querschiff.
1387 wurde der Kirche Material aus dem untergegangenen Ort Westeel geschenkt und zum Bau verwendet.
Westeel sank in die Leybucht, die damals Anschluss ans Meer hatte. Marienhafe war dadurch Hafenstadt, und der Turm ein Seezeichen. Durch Änderung der Küstenlinie schwand die Bedeutung des Ortes (heute liegt er komplett im Land).

Danach zerfiel sie immer mehr, der Chor sackte ab - man verkürzte das Gebäude und renovierte es dabei (um 1819). Seitenschiffe und Querschiff fehlen heute. Vom Turm trug man mal eben 2 Stockwerke ab. Trotzdem beeindruckt seine Größe noch heute.
Die Kirche ist heute 48m lang, der Turm dürfte ähnlich hoch sein.

Im Buchladen des Ortes bekommen wir Kaffee zum schmökern, ich kaufe einen Band mit Lokalkrimis, die sich um, na?, Türme drehen. Details s.u.

In der Wolke
In Norddeich kommen wir in eine Wolke, die über das Land fährt. Im Gegensatz zum „Binnenland“ kann man nicht genau sagen, wo die Wolke ist, woher der Regen kommt.
Die Wolke ist einfach überall, es wird finster, der Wind bläst beständig ohne Abwechslung, es ist kühl und die Regentropfen werden überall herumgewirbelt. Irgendwie ist „alles durcheinander“ und es ist ungemütlich.
Es wird verständlich, warum Friesen gemütliche Stuben haben und gerne Tee trinken.

Groningen, Niederlande
2h Autofahrt bringen uns „ins Ausland“.
Wird Ostfriesland noch von kleinen Kanälen durchzogen, sind es hier viele und breitere Kanäle. An der Autobahn sind Ampeln angebracht, die bei Bedarf leuchten und den kompletten Verkehr stoppen können. Auf gesamter Breite lässt sich die Fahrbahn hochklappen - falls größere Boote auf dem Kanal vorbeikommen.
Wir sehen diese Klappbrücken noch öfter - fast jede Straße lässt sich hochklappen.
Mir wird klar warum das Land „nieder-Lande“ heißt: Durch die tiefe Lage fließen viele Gewässer hier ab und durchziehen es vieladrig.

 

Das Kunstmuseum in Groningen, bezeichnenderweise mitten im Kanal, der die Altstadt umgibt, erkennt man von Weitem - es ist knallbunt.
Wir sehen uns in der Stadt um. Viele kleine, nette Läden ziehen Leute an (uns auch). Und immer Augen offen halten: Radfahrer beherrschen die Gassen!

Über den Marktplatz zieht sich sogar eine „Straße“ (ca. 3m breit) - extra für Radfahrer! Für Fußgänger sind Zebrastreifen vorgesehen. Doch egal wie man sie quert: man muss schnell sein! Dass Niederländer gernde radfahren ist ja bekannt, aber die Massen überraschten uns.
Zum Schluss gibt es Pommes „vom Belgier“, angeblich die besten-Fritten-wo-gibt, da in Rinderfett gebraten.
Die Verständigung läuft auf deutsch und/oder englisch, völlig problemlos.

Ach ja: Autobahn: gebührenfrei, Höchstgeschwindigkeit 120 km/h

Nach der Grenze fahren wir vorbei am Landschaftspolder und am Interessentenpolder.
Ach ja: in Getränkemärkten gibt es mehr Bier und Mineralwasser aus Westfalen denn aus Norddeutschland ...
Und der meistgehörte Dialekt war kölsch und rheinländisch. Für sie ist Ostfriesland, bei 2h Anfahrt, natürlich Naherholung.

Heim fahren wir über Dortmund, 2h durch flaches Land, dort auf die A45, und nach Dortmund‘s „Dunstkreis“ hoch in die Mittelgebirge.




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Das Buch:
„Zehn Türme, zehn Verbrechen“
10 versch. Autoren
Edition Ostfriesland Magazin
ISBN 978939870784

Jede Kurzgeschichte dreht sich um einen Turm, der anschließend vorgestellt wird.

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Unsere Bleibe: Pension Kirschblüte, Norden-Norddeich

Sehr schöne und gepflegte Zimmer, Kühlschränke auf den Gängen (z.B. für Bier)
Asiatisches Flair an der Waterkant. Sehr schön dekorierter Frühstückssaal. Herzstück ist die lange Tafel, an der alle Gäste sitzen (2 Ecktische zusätzlich vorhanden).
Heißes Wasser, Tee und Schokoriegel sind den ganzen Tag über vorhanden, für die Teepause am Nachmittag.

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