ITALIEN 2004
unsere Grand Tour

Eine Bildungsreise in Italien („Grand Tour“) gehörte früher einfach dazu. August der Starke hatte sie (incognito) unternommen, sowie John Milton, Horace Walpole, Goethe, Hans Christian Andersen, Hermann Hesse, Lord Byron, und viele andere.
Bei uns fällt das eher unter „Massentourismus“.

Früher quälten sie sich mit Kutschen über die Alpen. Die Reisecrew („Roadies“) mussten teils die Kutsche zerlegen, in Stücken Alpenpässe hoch und runter tragen, um sie danach wieder zusammenzubauen. Das alles nur, um Italien sehen zu können.
Wir starten mit meinem Fiat Seicento (55 PS). Das ist wesentlich bequemer; doch für unsere Zeit eher klapprig.
Mit an Bord: Zelt, Gaskocher, meine Freundin (und heutige Frau).

Irgendwo in Österreich, auf der Autobahn vor dem Katschbergtunnel, schalte ich zurück in den 3. Gang, die Steigung bremst uns. Danach geht es fast nur noch bergab.
In Italien überholt die Frau einen Pritschenwagen auf der Autobahn. Der Fahrer feuert uns an und freut sich für uns. Das nächste Auto sieht das anders. Es überholt uns, der Beifahrer lehnt sich aus dem Fenster, ruft uns Sachen nach hinten zu, zeigt uns Finger und Gesten – eindeutige Beschimpfungen. Mit 135 km/h zu überholen, wo 120 km/h erlaubt sind, ist wirklich eine Zumutung. Wir staunen über diese Emotionalität.
Landstraße: gleichzeitig überholen mich Vespa rechts und Motorrad links, bei Gegenverkehr natürlich. In Punta Sabbioni bauen wir das Zelt auf.
Unsere erste Etappe haben wir erreicht: Venedig.
Jetzt ein kühles Bier, in der kleinen Bar an der Straße: 0,2l für 2€, (mein teuerstes Bier ever.)

Vom Anleger fährt „der Bus“, bzw. das Schiff des ÖPNV, in 45 Min. zum Markusplatz, die 3-Tages-Karte kostet 8,80 EUR p.P.

VENEDIG
Über Venedig brauche ich wohl nicht viel zu erzählen.
Während der Völkerwanderung, als sich auf dem Festland Irre die Köpfe einschlugen, zogen sich die Veneter / Venezianer in die Lagune zurück. Ihre Landwirtschaft lagerten sie irgendwann später aus, z.B. in Küstengebieten des heutigen Kroatiens. Die entstehende Flotte war eine der größeren, die Stadt war wirtschaftlich und politisch eng mit Byzanz verbunden. Aus dieser Zeit stammt z.B. der Markusdom, mit seinen großflächigen Mosaiken und seinen Kuppeln – mehr eine byzantinische Basilika, denn ein europäischer Dom ...


Markusdom (Basilica di San Marco)
Herrlich, die Ruhe in der Früh, beim Gottesdienst. Vorne singen und murmeln sie, hinten stehen sie nur herum, wir darunter.
Dann der Schock: nebenan öffnet die Hauptpforte. Laut johlend bricht eine Schar Touristen herein, fotografiert sofort alles mit Blitz, wird zur Ruhe ermahnt, die nicht lange anhält. Die 5 Kuppeln sind fast vollständig mit Mosaiken ausgestattet, das zählt zu den größten Mosaikflächen überhaupt.


Dogenpalast (Palazzo Ducale)
Von hier aus wurde die Republik Venedig, bis zu ihrem Ende 1797, regiert. Der Reichtum zeigt sich in vielen Gemälden, teils in aufwändigen Rahmen, die Wände und Decken zieren.
Durch die sog. Seufzerbrücke geht es rüber, über einen Kanal, ins Gefängnis. Deshalb der Name des geschlossenen Übergangs ...

o.l.: Scala dei Giganti (Dogenpalast)


Unser Weg führt durch die vielen Gassen. Ein Mal ums Eck, stehen wir plötzlich im städtischen Kommunistenfest.

 


2 Kirchen:
Die kleine Kirche Santa Maria dei Miracoli gilt als einer der frühen Bauten der Renaissance (leider keine Fotos von uns erhalten).

Santa Maria Gloriosa dei Frari ist gotisch, und etwas für Kunstfreunde. Werke namhafter Künstler schmücken sie (z.B. 2 von Tizian). Darüber hinaus enthält sie viele Grabmäler, teils aufwändig gearbeitet, z.B. für Claudio Monteverdi, Antonio Canova, sowie für 4 Dogen).


2 Inseln
San Michele (Friedhof)
Kloster aus dem 13. Jh., ab 1719 entstand nebenan ein protest. Friedhof. Er musste ummauert sein und durfte nur vom Wasser aus erreichbar sein, um den kath. Ritus im Kloster nicht zu stören.
Ab 1804, in der Ära Napoleon, durften Bestattungen nur noch außerhalb der Stadt vorgenommen werden, der Friedhof wuchs. Gräber berühmter Leute: Wolf-Ferrari, Igor Stravinsky, Christian Doppler.

Torcello
Unser Liebling. Stündlich per Boot von Burano aus erreichbar. Ab dem 7. Jh. besiedelt, bis zum 10. Jh. schätzt man ihre Einwohnerzahl höher als die der Stadt. Heute fast leer. Die Insel war Bischofssitz, 2 Kirchen sind erhalten geblieben.
Santa Maria Assunta, ab 1008, ist innen schön leer, aber mit großen Mosaiken ausgestattet. Deren Muster über dem ehem. Bischofssitz unterscheidet sich formal vom Rest.
Da (auch hier) Umbauten aus späteren Zeiten fehlen, ist eine „Zeitreise“, weit zurück, hier möglich.
Nicht sehr viele Leute verirren sich hierher. Wir legen uns nebenan ins Gras, neben die alten Gemäuer, unter den Campanile, mit Blick ins Grüne. Es ist erstaunlich ruhig. Für uns ist es die schönste Stunde auf dieser Tour.

 

Der Rückweg führt durch die Stadt. Das Gewurle an Touristen fällt uns unangenehm auf. In der Pizzeria werden wir eher abgefertigt, denn wahrgenommen (klar).
Eine 3-köpfige ital. Familie steht auf 2m Abstand zusammen, schreit sich fast an beim reden. Das ist „emotione“ und völlig normal hier.

schiefe Türme

 

Alles zu sehen dauert Jahre ... Uns bleibt nicht mal mehr Zeit für „die Salute“, einen unserer Lieblinge (Santa Maria della Salute) unseres letzten Besuchs 2002 ...

die "Salute"

 

Bei leichtem Nebel fahren wir los, um die Lagune herum, Richtung Toskana (aka Toksana, oder Toxana, wie ich immer sage). Vorbei an Bauernhöfen die alle Ca‘ xxx heißen („Ca´“ für Casa).

Auf der Autobahn, vor und um Bologna, geht irgendwie gar nichts mehr.
Stau, Stau, Stau, ganze zwei Stunden. Großartig.

 


FLORENZ
War im 14. Jh. eine der reichsten Städte, Kaufleute und Banken trugen kräftig dazu bei (es war so etwas wie die Finanzhauptstadt der Welt). Die einflussreiche Familie Medici förderte Architektur und Kunst, viele berühmte und geniale Köpfe der Zeit waren hier anzutreffen: Leonardo da Vinci, Michelangelo, Galileo Galilei, Machiavelli,  uvm. Viele neue Gebäude entstanden – allerdings in einem Stil, der den Bauherren gefiel. Nachdem antike Schriften wieder zugänglich geworden waren, fand die Antike großen Anklang (sie war in Italien nie ganz weg). Die Wiedergeburt dieser Ära wurde bei uns unter ihrem französischem Namen „Renaissance“ (= Wiedergeburt) bekannt, und zum Megatrend, der in ganz Westeuropa zu seinem Triumphzug antrat.

Klar, dass eine Kathedrale her musste, die dieses Selbstverständnis widerspiegelt.
(Santa Maria del Fiore - etwas weiter unten).

Für die Grand-Tourer war die Stadt Pflichtstation, so auch für uns.

Den Campingplatz „Michelangelo“ kennen und lieben alle. Unter Oliven stellen wir das Zelt auf. Jeden Abend dröhnt „Beautiful Day“ von U2 von der Bar über den Platz, jeden Abend sehen wir den erleuchteten Dom. Wir können zu Fuß in die Stadt (der größte Vorteil).

Und am Nachmittag noch schnell zur San Miniato al Monte
Eine der ältesten Kirchen der Stadt, romanisch, ab 1013, auf einem Hügel, mit schönem Blick auf die Altstadt. Zweifarbige Fassade, Holzdecke, große Mosaikwand von 1260 – eine schöne, kleine Kirche.
Davor ist ein alter Friedhof, mit theatralischen Figuren und ein paar berühmten Namen auf den Grabsteinen.


1 Tag in Florenz

Santa Maria del Fiore
Der Dom ist Pflichtprogramm, keine Frage. Im Jahr 1296 begonnen, sind gotische Elemente bis heute erkennbar. Nach mehreren Planänderungen wurde er zu einem Meisterwerk der frühen Renaissance. Mit ihren Dimensionen zählt sie zu den größten Kirchen der Welt. Die größte Herausforderung stellte die Kuppel dar, eine der größten überhaupt (neben Vatikan und St. Pauls London). Innen ist sie mit himmlischen Szenen ausgemalt.

Der Dom:

links: Campanile

Mitte: Front mit Baptisterium davor

rechts: innen, gotische Strukturen sind noch erkennbar

 

Baptisterium
Ein achteckiger Bau, gleich vor der Kathedrale (Kombiticket!).
Er wird der „Protorenaissance“ zugeschrieben – weil es sonst keine Erklärung gibt. Entstanden vom 11.-13. Jh., in antikisierenden Formen (wie gesagt: die Antike war in Italien nie ganz weg), auf Resten eines römischen Tempels. Etwas kleiner als das Pantheon in Rom – für die damalige Einwohnerzahl war das Gebäude riesig.
Im 12. Jh. wurde die Kuppel innen mit Mosaiken ausgestattet, von verschiedenen Künstlern, z.B. Giotto, was etwa 100 Jahre dauerte.

 

Santa Croce
Eine Franzsikanerkirche, also Teil eines Klosters. Der Grundstein wurde vom Hl. Franz von Assisi gelegt (Legenden zufolge, nicht verifiziert). Gotik in ihrer italienischen Ausführung.
Wenn Mönche für einen beten, ist das viel wertvoller, als ein normales Gebet. Folglich ließen sich mehrere berühmte Leute hier beisetzen. Bekannt sind die Grabmäler von Michelangelo, Galilei, Machiavelli, und ein paar mehr.

 

Santa Maria Novella
Für mich die schönste Kirche von Florenz – da könnt ihr sagen was ihr wollt ...
Gotische Kirche der Dominikaner und Teil einer Klosteranlage. Giotto schuf das Kruzifix.
Innen ist sie angenehm leer, die zweifarbigen Spitzbögen verleihen ihr Leichtigkeit (wie ich finde).

Kuriosum 1: Nachforschungen haben ergeben: sie sind weiß und dunkelgrün. Für mich waren sie immer weiß und blau (das zum Thema: Männer können weniger Farben sehen als Frauen).

Kuriosum 2: 1994 war ich schon mal hier (mit einer Schulfahrt, die Bögen waren damals schon blau für mich). Damals war der Eintritt frei, mittlerweile kostet sie Eintritt.

o.r.: ein Wikinger?


Siesta: an einem Platz in der Stadt lungern wir herum und dösen. Danach geht‘s in ein Studenten-Café, auf einen Cappuccino (am Nachmittag ein echter Fehler, wie ich heute weiß). Das Bild an der Wand fasziniert und inspiriert mich, ich darf es knipsen (vielen Dank nochmals!).
Jahre später entsteht „Atlantis Personalis“ – und landet direkt in der Anthologie „Sommersehnuscht & Inselträume“ des Wendepunkt Verlags erschienen 2012.
ISBN: 978-3-942688-40-6

(Enthalten im eBook „Reisegeschichten“:

https://www.amazon.de/Reisegeschichten-Robert-K%C3%B6nigshausen-ebook/dp/B07CWD55KF/ref=sr_1_2/260-1898152-7701236?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1538824845&sr=1-2 )

Was passiert, wenn in Florenz die Ampel auf Grün springt? Richtig: erstmal knattert eine Horde Vespa-Roller vorneweg los.

 

 

Mercato Centrale: wir kaufen einen Kopfsalat fürs Abendessen, die Frau bewundert Eiertomaten (die es damals bei uns nicht gab), bekommt eine zum Salat geschenkt, und einen Handkuss obendrauf. Das alles für nur 1 €.

Glücklich schlendern wir zurück, vorbei an den Uffizien, die wir aufgegeben hatten. (Tagelang voraus buchen, ganz früh da sein und ewig anstellen, sonst keine Chance etc. ..., meinte der Reiseführer sinngemäß).
Doch irgendetwas stimmt hier nicht. Wo sind die Warteschlangen aus den Büchern, das Inferno, vor dem jeder Reiseführer warnt? Kein Mensch zu sehen. Und ab 17:00 wird es billiger, das ist in 10 Minuten. Die Frau am Kassenhäuschen winkt uns her, passt schon, 17-Uhr-Preis zahlen und rein mit euch!
So kommen 2 Barbaren, ein Salat und eine Tomate mit den großen Meistern zusammen.

Die Uffizien sind eine der bedeutendsten Kunstsammlungen überhaupt.
Eine kleine Auswahl der vertretenen Künstler:
Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Michelangelo, Rembrandt, Signorelli, Lucas Cranach d.Ä., Jan Brueghel d.Ä., Hans Holbein d.J., Raffaello, Tizian, Paolo Veronese, ....
Und natürlich: Sandro Botticelli. Sein bekanntestes Werk „Geburt der Venus“ hängt im Original ... - hier!

l.o.: "Raub der Sabinerin", von Giambologna 1583

r.o.: "Herkules kämpft mit dem Kentauren"

Im Palazzo Vecchio, oder so. Das bringe ich heute nicht mehr zusammen ...

 

David
Der berühmte David von Michelangelo ist überall und allgegenwärtig. Das Original steht in der Accademia di Belle Arti. Vor dem Palazzo Vecchio steht die Kopie.
    Kleine Plastikfiguren, Kochschürzen mit seinem Abbild, Unterhosen uvm. finden sich in Hülle und Fülle an jedem Souvenirstand.

David, die offizielle Kopie


Ein Ausflug ins nahe Pisa, 80 km, eine gute Stunde, kein Problem. Autobahn, Tempolimit immer noch 120 km/h. Deutsche prügeln mit überhöhter Geschwindigkeit vorbei, Italiener tun es ihnen gleich. Dann Stau. Nichts geht mehr. 2h geht es kaum voran. Dann sehen wir die Ursache: Auto ist in PKW gefahren. Großartig.  (Einmal mehr frage ich mich: warum?)

PISA
Parkbucht für ca. 3,80 EUR, in Laufweite zum Dom. Wenig später, an der gleichen Straße, sehen wir die berüchtigte Blitzfalle. Einfahrt verboten, sie wird geblitzt und berechnet. Wer wendet und wieder rausfährt, wird nochmals geblitzt. Kostet zusammen ein paar hundert Euro ...
Pisa war Stadtstaat, Geburtsort von Galileo Galilei, hat einen berühmten Turm und eine romanische Kirche. Das alles ist uns die Fahrt wert.

Der schiefe Turm animiert zur Interaktion. Jeder Künstler freut sich über so viel Interaktion mit seinen Werken. Auch wenn es komisch aussieht, wenn 90% der Besucher sich verrenken, um das immer gleiche Foto zu machen („Ich stütze den Turm“).
Pisa war Seemacht, hatte intensive Handelsbeziehungen zum östlichen Mittelmeer. Das spiegelt der Dom wieder.


Dom Santa Maria Assunta

Ab 1063, romanisch (in sog. Pisaner Romanik), in Kreuzform errichtet (damals neu in Italien), zweifarbig, mit reicher Ausstattung versehen. Wenn wir den Zeugnissen glauben, waren Handwerker von überall, dem Nahen Osten und Nordafrika, am Bau beteiligt. Ob der Dom, in seiner langen Bauzeit, dem Originalplan entspricht, oder der Plan zwischenzeitlich modifiziert wurde – das Erscheinungsbild ist einheitlich, und das gefällt mir gut.


Baptisterium
Gleich nebenan (Kombikarte!), rund, außen gotisch, und das größte christliche Taufgebäude.
Danach legen wir uns ins Gras, das Dom, Baptisterium und Campanile (den schiefen Turm) umgibt, und bestaunen das Ensemble von außen.
Trotz Stau – der Ausflug nach Pisa hat sich gelohnt.

 


Bei der Rückfahrt stehen wir nochmals 2h im Stau. Diesmal ist eine Rettungsgasse notwendig. Das geht so: die linke Seite nach links, die rechte nach rechts ran, so entsteht in der Mitte ein freier Weg für die Rettungsfahrzeuge. Ein Rentner trudelt unentschlossen umher, mal nach links, dann nach rechts. Ein Mädel redet vom Nachbarfahrzeug auf ihn ein, was ihn noch mehr verwirrt. Ich bin kurz davor mich einzumischen, kann aber die Sprache nicht (-> sag ihm er soll nach links. Oder nach rechts. Aber diskutier nicht, das verwirrt den armen Mann komplett ...).
Dieses Maß an Emotionen, das ist mir echt zu anstrengend ... Italien: ein Alptraum. Abends, am Zeltplatz von Florenz, gönne ich mir ein kühles Bier von der Bar. Der Preis ist der nächste Alptraum: 3,80€ für 0,5l Tuborg (zweitteuerstes Bier ever, nach Punta Sabbioni, s.o.)

 


SIENA
Den Zeltplatz zu finden, ist schon schwer genug. Etwa 17x abbiegen. Auf dem Platz ist alles verboten, die Liste gibt es auch auf deutsch. Dafür zahlen wir ca. 17€/Tag (unser teuerster Platz bislang, Frankreich lag sehr oft bei 10,50€).

Jeder liebt Siena. Die Frau auch. Mir würde ein Parkplatz genügen. Ich folge dem Schild „geradeaus“. Es geht am Hang entlang, zu einer Einmündung. Nu? Links oder rechts, hangauf oder hangab? Nach 20 Minuten raten und fahren, in der ich die Stadt zu ca. 60% umrundet habe, kommt zufällig und schnellwirkend ein Parkplatz – jetzt bloß nichts falsch machen. Auf in die Stadt. Jeder liebt Siena.

Bergauf, bergab, überall Backsteinhäuser. Ist das noch Neubaugebiet (das aussieht wie das Gewerbegebiet in Feldkirchen), oder schon die Altstadt? Dass Wäsche vor den Fenstern und über den Gassen zum trocknen hängt, und scharenweise Touristen verzückt, macht es mir nicht besser.
Ah, da ist der Turm, mit dem Platz für das Pferderennen ... Leuchtzüge an den Häusern, für Ristorante, Pizzeria und Souvenirs. Ein großer Platz mit eher niedrigen Gebäuden, ganz aus Backstein ...
Auf dem Weg zum Dom wird es abwechslungsreicher und gefällt mir doch noch.


Dom von Siena
ist auf erhöhter Lage, dann noch steile Stufen nach oben. Von außen ist sie schön bunt, von innen auch, dann der Schock: Eintritt 6 € p.P. (ähnlich viel wie das Vatikanische Museum, das wesentlich umfangreicher ist). Wir haben schon mitbekommen, dass Italien teuer geworden ist – aber für uns war das damals viel Geld. Wir entscheiden uns, vom Gitter aus zu schauen (vor der Kasse).

Die Grandezza der Kirche, sowie der Stadt, hat sich für mich leider nicht erschlossen.

Ich bin froh den Parkplatz wiederzufinden. Nach ca. 40x abbiegen sind wir unten, vor der Umgehungsstraße, schauen in den Plan. Wir sind im NW der Stadt, der Zeltplatz ist im SO von ihr. Dann noch um 17 Ecken, zurück zum Platz-wo-alles-verboten-ist.
Siena ist für mich Alptraumstadt.

 


SAN GIMIGNANO
Wurde durch Handel reich. Als Zeichen des Wohlstands bauten reiche Familien hohe Wohntürme (wie in Regensburg), die bekannten Geschlechtertürme. Immerhin sind sie aus Naturstein. Mir gefällt es. Die Stadt ist schön klein, der Parkplatz direkt davor, mit einer Kaffeebar in der Nähe – so wie ich es mag. Der Frau fehlen Studenten und die entsprechenden Cafés.

 

Wir verlassen die grünen Hügel der Toskana. Sie werden immer flacher und noch flacher. Die Straße geht bergab. Dann kommt eine langgezogene Kurve, es geht rein ins Flachland. Etwas später verkündet ein Schild das Ende der Region Grosseto/Toskana, und den Beginn der Region Latio.

Toskana poetica ...  oder so ähnlich


LATIO
Küstenstraße im Flachland, Palmen, immer wieder Kneipen (meist für immer geschlossen), mit bunten Mauern (meist dunkelrot) und einem alten Martini-Leuchtschild davor. Auf den Feldern liegen riesige Melonen, die Bauernhöfe heißen „Azienda“. Klingt nach Mexiko, sieht auch so aus ...

Vulci
„Salve“, heißt es an der Kasse.
Das etruskische Volk der Vulci gab der Stadt ihren Namen. Sie war eine der größten der Etrusker, hatte ihre Glanzzeit im 6. Jh. v. Chr. und leistete den Römern starken Widerstand.
Das Stadttor stellte einen ausgeklügelten Verteidigungsposten dar, und die Stadtmauer wirkt immer noch stabil. Gebäudereste, Nekropole, Grabungs- und Grabstätten – zu sehen gibt es viel.
Die Römer legten übrigens, nach Eroberung, die Via Aurelia durch die Stadt.
Für die Grand-Tourer war es ein Pflichtbesuch bzw. eine übliche Etappe.
    Wir überqueren die Ponte dell‘Abbadia, die über die alte Brücke der Etrusker gebaut wurde, rüber zum Castello, dem Museum mit vielen Fundstücken.


Tarot Garden, von Nici de Saint Phalle
Pescia Fiorentina, Prov. Grosseto

22 Riesen-Skulpturen, die die Mysterien des Tarots darstellen.
Von Mysterien und Tarot merke ich nicht viel. Auch wenn die Künstlerin ein schweres Leben gehabt hatte, und sich mit ihren Skulpturen auch damit auseinandersetzt – wir laufen herum und machen Künstlerfotos. Zumindest für uns (mich?) ist heute der Spaßtag


Danach ist Strandtag am Tyrrhenischen Meer, an unserem Zeltplatz in Montalto Marina. Auf der Liege, im Schatten, das Meer anschauen. Für uns eine harte Übung. Nach 2h brechen wir ab, weil uns langweilig wird, und die Füße Sonnenbrand bekommen.


Nach Rom
Über die dreispurige Einfallstraße Richtung Stadtrand, zum Zeltplatz. Ca. 30€/Tag (teuerster Platz ever). Supermarkt und Bahnhof sind über die Einfallstraße. Kein Herz für Fußgänger, es gilt das Recht des Stärkeren. Der Weg über die Straße, zum Bahnhof, wird zur täglichen Hasenjagd. Einzig der schmale Grünstreifen in der Mitte gibt Gelegenheit zum verschnaufen. Bei Heimkehr: Hasenjagd mit vollen Einkaufstüten ...

In diesem Supermarkt habe ich auch meinen „Italien-Moment“:
- ein Opa, in grauem Anzug, mit Sonnenbrille auf, geht sehr lässig umher, legt immer wieder Sachen in Einkaufswagen
- ein Mal auch in unseren
- ich frage ihn, ob dieses Stück von ihm ist
- er entschuldigt sich, nimmt es zu sich, macht weiter
- die Sonnenbrille bleibt natürlich auf
- weiter hinten passiert Anderen das Gleiche mit ihm

ROM
Letzte und größte Etappe der Tour. Einst Mittelpunkt der Welt (der damals bekannten) und eines Weltreiches. Bei unterirdischen Arbeiten (U-Bahn, Tunnel, etc.), wird geschaut, welche antiken Scherben weggefräst werden – nicht ob. Erdarbeiten ohne Zerstörung antiker Stücke ist hier gar nicht möglich.
Alles sehen zu wollen, würde Jahre dauern. Wir haben uns vorab eine nette Auswahl zusammengestellt.


Colosseum
vor 9 Uhr stehen wir in der Schlange. Die noch überschaubar ist. Ein Legionär will sich aufdrängen, als Fotomotiv, natürlich kostenpflichtig. Amerikanerinnen sind darüber begeistert. Als Barbar lehne ich es aber ab, die römische Armee finanziell zu unterstützen ...
Auch wenn das Colosseum eine Bruchbude ist: die schieren Ausmaße sind enorm. Der Weg zu den Zuschauerplätzen war heutigen Stadion-Wegführungen verblüffend ähnlich, die Größe der Tribünen ist immer noch fast bedrückend (wenn man sich selbst als armer Gladiator (oder Opfer-Christ) dort vorstellt). All die Gemäuer unter der Arena, um Tiere und Menschen überraschend auftauchen zu lassen, sie für Seeschlachten zu fluten, und vieles mehr – das ist immer noch beeindruckend.
    Ab 10:00 wird es langsam ungemütlich, und die Schlange davor ist so lang, wie auf vielen Fotos ...


Forum Romanum
Ein Forum war so etwas wie der zentrale Platz einer Stadt. Der Sitz des Senats befand sich hier. Spätere Kaiser ließen den Platz immer wieder umgestalten, gönnten sich ein neues Gebäude zur Verkündung neuer Erlasse oder ihrer Selbstinszenierung. Viele Ehrenstatuen wurden auf dem Platz aufgestellt, abgerissen, zerstört, neu errichtet ...  Heute ist es ein ziemlicher Scherbenhaufen, und für Fotografen eine echte Fundgrube ...

o.r: Triumphbogen des Septimius Severus, 203 n. Chr.

l.u.: Trajansäule


Pantheon
Zentralbau mit der größten Kuppel der Welt, zumindest damals, bei Fertigstellung um 125 n. Chr. Allen Göttern Roms geweiht, deshalb der Name.
Die Kuppel ist die eigentliche Sensation. Sie besteht aus einem System speziell angefertigter, gewichtsreduzierter Ziegel, die nach oben hin kleiner und leichter werden. In der Mitte, also ganz oben, bleibt eine Öffnung mit 9 m Durchmesser, als einzige Lichtquelle. Viel Ausstattung ging verloren, z.B. bronzene Vertäfelungen, doch das Gebäude beeindruckt auch alleine durch seine Architektur.

Am 1. November 609 wurde es christlich geweiht – natürlich allen Heiligen.
(Darüber finde ich unterschiedliche Angaben, evtl. wurde sie früher im Jahr umgeweiht; jedenfalls wurde in diesem Zuge der 1. November als Allerheiligentag festgelegt).

 


Mittags gibts ein Stück Pizza auf die Hand. Die Größe des Stücks deuten, der Verkäufer schneidet es raus, für mich darf es etwas größer sein, ... Scheint das römische Fast Food zu sein, die Stände gibt es hier öfters.
Ich probiere die „Pizza Patate“, mit Kartoffelscheiben obendrauf. Lecker.


Caracalla-Thermen
Im 2. Jh. v. Chr. entstanden, unter Kaiser Caracalla fertiggestellt, als Bad bzw. Freizeitpark.
Sklaven schippten Brennholz und schürten Feuer, damit das Wasser angenehm warm war. Es reichte den Besuchern etwa bis zum Bauch, sie wateten darin umher (schwimmen konnte ja keiner). Über Lüftungen gelangte Warmluft ins Innere.
Neben Kalt- und Warmbad gab es Räume für Gespräche, Ringkämpfe etc. Der Eintritt war frei. Die Nähe zu einer der ärmeren Viertel Roms spricht dafür, dass die Kaiser ihre Beliebtheit beim Volk stärken wollten.
Beim Einfall der Ostgoten, im 5. Jh., wurde die Wasserleitung zerstört, was das Ende bedeutete. Trotz späterer Reaktivierungsversuche war der Verfall nicht aufzuhalten.
Obwohl als Steinbruch genutzt, zählen sie heute zu den am besten erhaltenen Thermenanlagen.


In die Katakombe:
Catacomba di S. Agnese,
in der Kirche: Sant‘Agnese fuori le mura
Kirchenbau aus dem 7. Jh. Ab dem 17. Jh. wurde immer wieder mal modernisiert.

Die Hl. Agnes (2. Jh. n. Chr.) wurde, nach ihrem Martyrum, in den Katakomben der Kirche bestattet (oder hierher umverlegt?). Ihre Popularität in Rom muss groß gewesen sein, denn viele Christen wollten neben ihr bestattet werden (anstatt in irgendeiner anderen Katakombe). Daraus entstand eines der größten unterirdischen christl. Grabkomplexe, die aber nur zu einem kleinen Teil zu sehen sind.

Der Begriff „Katakombe“ stammt von den griech. Wörtern für „herab“ und „Grab“, steht also für unterirdische Grabanlagen.
Erdbestattungen waren innerhalb der Stadt verboten, Brandbestattungen lehnten die Christen ab – also ging es nur in die Tiefe.
Ab und an dienten sie Christen auch als Versteck, während Verfolgungen (2.-4. Jh.). Versammlungen fanden dort wohl nicht statt, das ist eher ein Mythos (lernten wir vor Ort). 

 

 

o.: der Circus Maximus (an dem wir zufällig vorbeikommen ...)


Ein Tag im:

VATIKAN
Ins Pflaster eingelassene Metallpunkte zeigen die Grenze an, strenggenommen betreten wir ein anderes Land.


Zuerst ins:
Vatikanisches Museum
Eines der größeren und wichtigeren der Welt. Jede Menge etruskischer Fundstücke (Teller, Vasen, Skulpturen, ...)

Mittags gibt es Pizza in der Kantine. Zwei Geistliche haben Grund zum feiern, und köpfen eine Flasche Sekt (von meiner Kirchensteuer?). Ich frage nach Vatikan-Euros als Wechselgeld, leider vergebens.
Für die Frau kaufe ich Briefmarken, sie zeigen den Papst. Auch hier: keine Vatikan-Euros als Wechselgeld. Der Mann verweist mich auf käufliche Sortimente, zu schwindelerregenden Preisen.
Ich schreibe meine Postkarten, klebe meine zuvor gekauften (ital.) Briefmarken drauf. Einwerfen kann ich sie hier nicht, erst wieder „drüben“ in Italien.


Nach dem Museum in den
Petersdom
(EIntritt frei)
Schlange stehen. Türsteher prüfen die Sozialadäquanz: Schultern und Knie müssen bedeckt sein. Zu knapp Bekleidete bekommen einen Plastikumhang (gratis) ausgeliehen. Die Türsteher sehen uns nach Afrikanern und Indern aus – die Kirche gibt sich international.
Der Petersdom ist die größte Kirche der Welt (angeblich doch noch von seiner Kopie in Afrika getoppt). Auf dem Boden sind Markierungen für die nächstgrößeren Kirchen eingelassen. Von hinten gemessen würde die jeweilige Kirche ...-hier- enden.
St. Pauls in London, Notre-Dame in Paris, Sevilla, Mailand, sind unter den nächstgrößeren. Auch gut dabei: der Dom zu Speyer (als größte deutsche).
So riesig sieht es uns hier gar nicht aus. Die Renaissance-Architektur, mit ihren „menschlichen“ Dimenionierungen, trägt sicher ihren Teil dazu bei. Wir gehen in die Vierung hoch. Der Aufzug kostet, wir wählen die Gratis-Version (Treppe). Des öfteren gehen wir schief, Treppen oder Gänge. Die runden Formen zwingen uns in die Schieflage. Es sind viele Stufen.
Auf der Vierungs-Galerie können wir nach unten schauen. Wie klein die Menschen dort unten sind! Erst jetzt begreifen wir die Größe des Bauwerks.

Wo das Geld zum Bau herkam? Na – plötzlich konnte man Ablassbriefe kaufen. Verstorbenen wurden viele Jahre Fegefeuer erspart. Ein kleiner Mönch, der die Kirche reformieren, und auf ihren eigentlichen Weg zurückbringen wollte, sah das kritisch. Das Thema wurde ein schlagkräftiges Argument(„Marketing-Tool“) und seine Ideen verbreiteten sich -vor allem wegen dieses Themas- rasend schnell: Martin Luther.
Hier oben gibt es einen Ausgang aufs Sonnendeck. Und dort steht: ein Souvenirshop. Ich kaufe einen Flaschenöffner mit Papst-Konterfei (Bad Taste? Ja, gewiss. Wobei Karel Wojtyla alias Johannes Paul II als halbwegs seriöser Staatsmann durchgeht). Wir setzen uns in die Sonne und ruhen aus.

l.u.: die Pietá von Michelangelo, in der Capella della Pietá, im Petersdom

 


Ostia Antica
Der Hafen des antiken Roms, an der Mündung des Tiber. Durch Sedimentablagerungen hat sich das Ufer bis heute etwa 2 km nach Westen verschoben, der Ort liegt heute im Land.
Wir sind mit der S-Bahn raus (ca. 45 Min. einfache Fahrt). Es liegt in der Einflugschneise des internat. Flughafens.

Deutlich ist die Struktur der Stadt erkennbar. Theater, Markt, Wohnhäuser. Ein dreistöckiges Mietshaus ist durch seine erhaltenen Außenmauern deutlich zu erkennen. Die anderen Häuser denken wir uns genauso. Dazwischen ist die Pizzeria/Taverne. Ofen, Tresen, Gasträume – der Grundriss ist klar, und manches erhalten oder rekonstruiert.
Der Markt ist voller Mosaiken im Boden. Abgetrennte Läden oder Büros, davor ein Zeichen, was es hier gibt: Obst, Fisch, Brot. „Irgendwas mit Schiffen“: vermutlich Fahrten auf diesen, ... Große Speichergebäude für Lebensmittel; Tempel, Thermen, Theater, ... Es gibt viel zu entdecken. Ostia gilt als eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten der Römerzeit. (Klar: der heutige Ort ist nebenan, das Gelände wurde nie überbaut ...)
An sich ist es schön ruhig, nur Wenige sind hier. Aber, wie erwähnt, fliegen ständig Flugzeuge drüber.

r.o.: Mietshäuser

M.l.: in der Pizzeria (oder Taverne)

u.l.: vor einem Verkaufsraum – das Mosaik zeigt, was es dort zu kaufen gab ...

u.r.: Boden des Badebeckens in der Therme



Heimfahrt
Sonntag Früh 09:00 schließe ich die Heckklappe – alles ist eingepackt (Rekord!). Sämtlicher Verkehr fehlt. Also zahlen und los!
2 Stopps an Seen hatten wir für die Heimfahrt eingeplant. Auf der Autobahn flutscht der Verkehr, fast zu gut. Italiener rasen mit Deutschen, ich meine die Verzückung ob der Geschwindigkeit in ihren Gesichtern erkennen zu können. 160 km/h oder mehr, wo 120 erlaubt sind – kann das auf Dauer gutgehen? Nein. Es kommt, was kommen muss: Stau. Zwei Stunden. Crash, Vollsperrung, alle runter, schneller, schneller. Alle durch die Kasse.
Von wegen schnell – da geht gar nix mehr. Es bilden sich Schlangen auf die Häuschen zu, Schlangen dazwischen, Einzelne irgendwo. Chaos vom Feinsten. Ich peile ein Hüttchen an. Dazu halte ich genau den grünen Pfeil zu (so ging das immer), bleibe auch in dieser Spur. Immer wieder brechen Autos aus, fahren in eine der Zwischenspuren, um kurz vor der Kasse ihren Fehler zu erkennen. Also alle zurück in die richtigen Spuren. Ein Wahnsinn. Und natürlich voller Emotionen ...

13:00 in Umbrien: da unten liegt der See (Lago di Trasimeno), in baumlosen Gebiet, der Zeltplatz macht Mittagsruhe. Wollen wir Zeit vertrödeln, um uns dort die Sonne auf den Kopf brennen zu lassen? Nein, wir fahren weiter zum nächsten Platz.

16:00 beim Gardasee: es schüttet in Strömen. Unsere Lust, das Zelt in den Matsch zu setzen, um darin kauern zu dürfen, ist gering. Wir bleiben lieber im Warmen, und vor allem Trockenen. Dafür müssen wir nur ein wenig lenken und Gas geben.
Wir finden Radio Maria, mit frommen Gebeten und Gesängen fahren wir in Südtirol die Alpen hoch. (Bad Taste? Ja, gewiss). Der freundliche Mann an der Autobahnkasse will „Neunzehn Euro achtzig“ von uns, auf deutsch, obwohl wir noch in Italien sind ...

Ich will unbedingt erst in Österreich tanken, damals soooo viel billiger ... In der Folge geht die Tank-Warnleuchte an, und ich tanke in Italien für 10 Euro. Den ersten Rasthof in Österreich lassen wir aus – er ist rammelvoll, mit deutschen Autos, deren Fahrer alle billig tanken wollen.
Dank Nottankung können wir einen weiter. Am zweiten Rasthof ist es ziemlich leer, endlich tanken, essen, zuschauen wie es dunkler wird. Es gibt Nudelpfanne für 6 EUR (dafür hätte ich auch die Kirche in Siena anschauen können ...).

Im Radio gibt es endlich wieder Musik, FM4, wir fahren in den Abend, um 21:00 sind wir Zuhause. Von Rom an einem Tag, in 12 Stunden, nach Hause, inkl. Stau und Pause. Mit einem Fiat Seicento. Geht doch.

Schlussbemerkung
Eine Grand Tour war immer schon anstrengend, und ist es heute noch.
(Wenn auch die Anforderungen heute ganz andere sind als damals, aber das läuft eher unter: Luxusprobleme ...)

Wir hatten brav selber gekocht und im Zelt übernachtet.
Unser Geld ging, außer für Benzin, Autobahngebühren und Lebensmittel, für Eintritte und schlaue Bücher drauf.


Kuriosum
Nach dem Urlaub fragen uns alle, wo wir überall waren.
Beim Stichwort „Toskana“ bekommen wir ganz, ganz viele Tips, Geheimtips und Erzählungen.
Diese verstummen schlagartig bei den Worten „Grosseto“, „hinter Grosseto“ und „Latio“. Stets schauen wir in ratlose Gesichter, hören etwas Resigniertes, wie: „Da war ich ja noch nie ...“



Ausklang
Jeden zweiten Tag hatten wir den Direktvergleich zu Frankreich angestellt.

(Anm.d.Verf.: ein Jahr vorher waren wir in Südfrankreich. Das ist der nächste Bericht, den ich restauriere)
Meine Matrix:
Franzosen sind Mitteleuropäer, auch im Süden
Italiener sind Südeuropäer, auch im Norden

Unser Fazit: Frankreich gefällt uns besser.
Die Folge: etwa 5-10 Ausflüge nach Frankreich in den Folgejahren. Keine nach Italien. Erst 2018 waren wir in Sardinien, und fahren vielleicht wieder öfter nach Italien.